Wasserleichen am Stausee Kelbra

20.03.2020

Nach der kurzzeitigen Entleerung der Talsperre Kelbra treiben immer mehr tote Fische ans Ufer der Talsperre - offenbar wurde nun das erklärte Ziel mit dem Alleinstellungsmerkmal einer völligen „Fischfreiheit“ der 600 ha großen Talsperre erreicht 

Nach dem Ende Februar 2020 die Talsperre Kelbra auf Anweisung des grünen Umweltministeriums in Sachsen-Anhalt kurzzeitig entleert wurde, treiben jetzt immer mehr Fischkadaver ans Ufer der Talsperre.

 

Der Kreisanglerverein Sangerhausen hatte im Vorfeld mehrmals das Umweltministerium auf dieses zu erwartende Problem hingewiesen. Ohne Erfolg. Die 600 ha große Talsperre selber lässt sich nicht restlos entleeren, da immer einige Senken mit Wasser gefüllt übrig bleiben. Dort sammeln sich beim Ablassen einige Fische. Während die kleinen Fische von Graureihern, Haubentauchern und Möwen gefressen werden, haben größere Fische keine Chance.

Sie durften qualvoll sterben, um die Talsperre  aus „Vogelschutzgründen“ endlich fischfrei zu machen.

 

Eine restlosen Entleerung hatte das „Landesamt für Umweltschutz“ welches das Ministerium berät, bereits im Oktober 2019 in Kelbra bei einer Veranstaltung zum „vorläufigen Betriebsplan“ der Talsperre vorgestellt.  Dort hatte man von der Notwendigkeit einer 3-4 wöchigen jährlichen Restentleerung aus Vogelschutzgründen gesprochen, mit dem Ziel, eine weitgehende Fischfreiheit des Stausees, insbesondere  von großen Raubfischen, aber auch Karpfenfischen zu erreichen. Die Fische würden den Wasservögeln das Futter wegfressen, so die Begründung.

 

Das eine völlige Entleerung einigen Wasservögeln nutzen könnte, dazu hat weder das Ministerium noch das Landesamt für Umweltschutz bis heute exakte Zahlen vorlegen können. Immerhin wurde die Talsperre bis 2011 jeden Herbst entleert. Danach gab es mehrmals einen kleinen Winterstau von 1 – 2 Millionen Kubikmetern, welcher den Hochwasserschutz  nie gefährdete. Im Gegenteil, der Kreisanglerverein hat an Hand von Zahlen des NABU Nordhausen dem Ministerium und dem Landesamt für Umweltschutz im Dezember 2019 vorlegen können, wie wichtig ein kleiner Winterstau für Vögel von „gesamteuropäischer Bedeutung“ wie z.B. dem Kranich, der Löffelente, der Saatgans oder dem Schwarzhalstaucher ist.

So überwinterten teilweise 2.500 bis 8.000 Kraniche im Winter, wenn etwas Wasser in der Talsperre blieb.

Das bei einer völligen Entleerung auch die wichtige Nahrung vieler Wasservögel, wie Wasserschnecken, Insektenlarven oder Muscheln sterben, wird offenbar von einigen Leuten im Ministerium und im Landesamt für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt anscheinend billigend in Kauf genommen. Diese Kleinlebewesen sind auch wichtig für die Algenfreiheit der Talsperre. 2019 gab es erstmals seit 50 Jahren keinerlei Algen in der Talsperre Kelbra, sicher auch durch die vielen algenfressenden Kleinlebewesen, welche die letzten Jahre in einem kleinen Winterstau überlebten.

Ob man diesen „Erfolg“ 2020 wiederholen kann?

Oder will man auf moderne Art einfach nur die Angler, Segler und Naherholungssuchende von der Talsperre Kelbra vertreiben? Dazu passt auch die Aussage des grünen Staatssekretärs Rehda am 8. März 2020 in MDR aktuell. Dort sagte er wörtlich nach einer Tagung vom „Kranichschutz Deutschland“ im Biosphärenreservat Roßla: „Segeln und Angeln kann man auch woanders.“

 

Wir Angler haben schon länger den Eindruck, dass bei einigen grünen Politikern und insbesondere in Sachsen-Anhalt, der Naturschutz an der Wasseroberfläche aufhört. Man hat es vielleicht auch gar nicht nötig, sich mit ehrenamtlichen Naturschützern vor Ort ernsthaft zu unterhalten und gemeinsam nach den besten Lösungen für die Natur an der Talsperre Kelbra und der Helme zu suchen.

 

Mit der völligen Entleerung der Talsperre Kelbra hat man nicht nur Fische in der Talsperre selbst verenden lassen, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Naturschutzgebiet in Martinsrieth und den Fischlaichbezirk in Bennungen in der Flusslandschaft Helme nachhaltig geschädigt. Dort hatte das vorherige CDU Umweltministerium gemeinsam mit den Anglern die Kiesbänke unter Schutz gestellt, damit  Bachforellen, Barben und Äschen als Leitfischarten der Helme bessere Laichbedingungen finden. Diese Kiesbänke sind zur Zeit mit Schlamm der Talsperre gefüllt. Ob diese Kiesbänke sich bis zur Laichzeit der Äschen und Barben im April wieder selber reinigen, bleibt abzuwarten. Die Fischeier der Flussfischarten werden genau wie die geschützte Bachmuschel jedenfalls im jetzt vorhandenen Schlamm keine Überlebenschance mehr haben und voraussichtlich absterben. Auch dies würde dann für die „Kompetenz“  der handelnden Personen im grünen Umweltministerium und im „Landesamt für Umweltschutz“ in Sachsen-Anhalt sprechen.

 

 

 

 

Foto: Foto: F. Gabriel, Foto zeigt fünf verendete und verwesende Karpfen im Bauwerk 1 der Talsperre Kelbra