Runder Tisch zur Talsperre Kelbra nach fünf Jahren beendet

19.02.2025

Der „Runde Tisch zur Talsperre Kelbra“ (RT) wurde klug und umsichtig durch den unabhängigen Moderator, Dr. Hans-Joachim Döring geleitet und hat in fünf Jahren insgesamt neunmal getagt. Zusätzlich wurde in zwei öffentlichen Veranstaltungen über die Arbeit informiert. 

Unter dem Grundgedanken der Gesprächsführung "Sachlichkeit durch Fachlichkeit" gelang es dem Moderator viele strittige Positionen zu entschärfen und eine produktive Atmosphäre zu sichern. 

Der „Runde Tisch“ zur Talsperre Kelbra fandet mit der Entpflichtung der berufenen Mitglieder einen vorläufigen Abschluss. 

Nach Abwägung der Interessen und Nutzungswünsche mit klimatischen, naturschutzfachlichen und behördlichen Rahmenbedingungen gibt es folgende Ergebnisse:

 

  • Der vorläufige Betriebsplan aus dem Jahr 2019 hat sich im Wesentlichen bewährt. Darauf aufbauend werden die Ergebnisse der Evaluierung in die Neufassung des Betriebsplans einfließen. Dieser wird durch ein weiterführendes Monitoring begleitet. Im Mittelpunkt steht auch künftig der Hochwasserschutz.

  • Für den Fisch- und Gewässerschutz soll in der Winterstauphase bis Anfang März in der Talsperre ein Restwasservolumen zwischen 0,5 und 1,0 Millionen Kubikmetern verbleiben.

  • Zur besseren Ausnutzung der Wasserfläche für Seglerinnen und Segler wird die Errichtung einer für den Segelsport günstiger gelegenen Anlegestelle unterstützt.

  • Im Interesse der touristischen Nutzung soll geprüft werden, ob das Sommerstauziel von 12,5 Millionen Kubikmetern verlängert werden kann.

  • Eine Zulassung des Kite-Surfens wäre grundsätzlich nur dann möglich, wenn durch potenzielle Nutzende nachgewiesen werden kann, dass dies mit den bestehenden Erhaltungszielen des Vogelschutzgebietes vereinbar ist.

  • Die Angelfischerei  kann unter Maßgabe des primär dem Hochwasserschutz dienenden Talsperrenbetriebes sowie naturschutzrechtlicher Rahmenbedingungen in angepasster Form weitergeführt werden.

  • Der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt unterstützt die naturschutzfachliche Weiterentwicklung und Besucherlenkung in der Region mit flankierenden Maßnahmen. 

  • Dazu zählen das geplante „Naturerlebniszentrum Stausee Kelbra“, der Kranichbeobachtungsturm, der Fischlehrpfad oder der Einsatz von Rangern.

     

Zum Abschluss des Dialogformats im Beisein von Umweltstaatssekretär Dr. Steffen Eichner gab es eine „Gemeinsame Erklärung“. Dazu sagte Dr. Eichner: „Der kontinuierliche und intensive Austausch zum Betrieb der Talsperre Kelbra hat sich ausgezahlt. Im direkten Gespräch konnten auch konfliktträchtige Themen rund um die Nutzung des Stausees ergebnisoffen besprochen und Lösungen gefunden werden. Im Ergebnis steht fest, dass der Hochwasserschutz auch künftig oberste Priorität haben muss. Dies hat zuletzt auch das Winterhochwasser zum Jahreswechsel 2023/24 bestätigt, als viele Menschen nur durch die professionelle Steuerung der Talsperre vor katastrophalen Überflutungen bewahrt wurden. Gleichzeitig werden wir aber weitere Nutzungen unterstützen, soweit sie den Hochwasserschutz nicht beeinträchtigen.“ Zwar könnten auch künftig nicht alle Interessen zu jeder Zeit vollständig Berücksichtigung finden. „Ich bin aber davon überzeugt, dass wir einen vernünftigen Kompromiss gefunden haben, mit dem alle Beteiligten weitestgehend leben können.“

 

Zum Bedauern aus Sicht der Angler ist es nicht gelungen, eine durch alle Mitglieder des RT getragene, gemeinsame Erklärung zu verabschieden. Trotz einer über einhundert Seiten systematischen und gründlichen Evaluierung des Betriebsplanes mit Abschlussbericht, dem wiederum umfassende wissenschaftliche Untersuchungen zu Grunde lagen. 

Die Verweigerung vom NABU Sachsen-Anhalt und der LAG Kranichschutz Sachsen-Anhalt, einen weitgehend respektierten Kompromissvorschlag zuzustimmen, stellt sich für uns nicht als standhafte Verteidigung der fachlichen Einschätzung dar, sondern als Missachtung der Präambel der NATURA 2000 Gesetzgebung und der Unfähigkeit der Respektierung anderer Vorstellungen und Einschätzungen im Ringen um einen gesellschaftlichen Konsens.  [Gemeinsame Erklärung]

 

Um den Dialog zur Entwicklung des Areals rund um den Stausee Kelbra fortzusetzen, wird der Talsperrenbetrieb künftig jährlich eine Informationsveranstaltung durchführen.       

Gerhard Jarosz

 

Bild zur Meldung: Foto: mwu sachsen-anhalt; Teilnehmer des Runden Tisches zur 9. Sitzung in Kelbra