Angler ziehen Notbremse an der Helme-Talsperre Kelbra

11.02.2020

Sangerhausen, den 11. Februar 2020

 

 

 

Presseerklärung

des Kreisanglervereins Sangerhausen e. V.

 

 

Der Kreisanglerverein sieht sich im Interesse des Fischartenschutzes gezwungen, mit einer einstweiligen Verfügung der angekündigten, aus Hochwasserschutzgründen unnötigen und aus Naturschutzgründen kontraproduktiven, vollständigen Entleerung der Helme-Talsperre zu begegnen.

Ein entsprechender Antrag ist dem zuständigen Verwaltungsgericht in Magdeburg  heute zugestellt worden.

Aus Sicht der Antragsteller folgt die vollständige Entleerung nicht der Empfehlung der erst im Dezember 2018 erlassene NATURA 2000 Landesverordnung und dem Managementplan für das Vogelschutzgebiet SPA 004. Darüber hinaus gefährdet die beabsichtigte vollständige Entleerung nach Auffassung der Angler unnötig das flussabwärts liegende FFH-Gebiet 134 „Helme-Aue“, mit den dort vorkommenden Anhang II Arten der EU-Richtlinie, Flussneunaugen, Mühlgroppen und Bachmuscheln.

Die dem Flussabschnitt das Gepräge gebenden rheophilen Fischarten, Äschen und Barben, werden als Kieslaicher durch die unnatürlich hohe Aufnahme von Sedimenten vom Talsperrengrund und deren anschließenden Ablagerung auf den Kieslaichbetten in ihrem natürlichen Zyklus massiv gestört. Das ist nach Ansicht des Vereins ein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot der Wasserrahmenrichtlinie der EU.

Zugleich wird durch die unnötige, vollständige Entleerung der Helme Talsperre der Tot tausender Fische billigend in Kauf genommen, um einer einzelnen Vogelart, wie unter Laborbedingungen, paradiesische Bedingungen zu schaffen. Das ist nicht nachhaltig, aus ethischer Sicht abzulehnen und daher nicht hinnehmbar.

Das stellt im zu erwartenden Schadensfall einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, § 17 Nr. 1 TierSchG in Verbindung mit § 13 Abs. 1 StGB dar.

Zusammenfassend bedauert der Kreisanglerverein im Interesse der Fische von dem Mittel einer einstweiligen Verfügung Gebrauch machen zu müssen, sieht aber beim Festhalten des Umweltministeriums an dem Plan keine andere Möglichkeit, ein weiteres neigen der Waage im Naturschutz zu Ungunsten der Fische zu verhindern. Der Kreisanglerverein fordert die Umweltministerin auf, den eingeschlagenen Irrweg zu verlassen und für ausgewogene Lösungen den Weg frei zu machen.

 

Der Vorstand des KAV Sangerhausen

 

 

Foto: Helme-Talsperre Kelbra heute, mit deutlich sichtbarer Sedimentfracht