Abfischaktion der Angler an der Helme-Talsperre

12.10.2020

Kelba, 11.Oktober 2020

Am Sonntag startete unser Verein ein erstes Abfischen unterhalb vom Bauwerk 1 an der Helme-Talsperre Kelbra.

Mit der planmäßigen Absenkung des Wasserstandes aus vorbeugenden Gründen des Hochwasserschutzes, geht der Eintrag von "Teichfischen" (oder Fremdfische) in das Fließgewässer Helme einher. Um die Auswirkungen der Verfälschung des Artenspektrums im Fließgewässer Helme zu verringern, ist die Abfischaktion deshalb keine beabsichtigte „Ernte“ des Ertrages, sondern handfeste Schadensbegrenzung im Sinne des Naturschutzes und zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU.

 

Noch ist die Talsperre zu etwa 1/4 gefüllt. Trotzdem versuchen schon jetzt große Teile der Fische dem Stausee zu entkommen.

 

Insgesamt mobilisierte der Verein 10 PKWs mit Anhänger und Fischtransportbehälter mit Belüftung und etwa 40 Freiwillige an diesem Wochenende für die Aktion. Die gefangenen Fische wurden vor allem in die Kiesgrube Roßla, den Schlossteich Rottleberode  und die alte Kiesgrube Berga umgesetzt. Einige Fahrzeuge fuhren sogar zwei Mal, so dass wir etwa 2 bis 2,5 Tonnen Fische fachgerecht umsetzen konnten. Der größte Teil der umgesetzten Fischarten waren Giebel, aber auch etwa 20 bis 30 % Barsche und Kaulbarsche gingen ins Netz. Neben ebenfalls vorhandenen Rotfedern und Plötzen, war sogar ein kleiner Hecht, ein kleiner Zander und ein Aal dabei.

 

Durch die Fischaufstiegsanlage an der Aumühle in der sogenannten Nebenhelme können  Fische jetzt um die Talsperre wandern.  Es ist ganz natürlich, dass sie dann auch wieder vom Oberlauf her die Talsperre besiedeln.

 

Dieses Jahr hat gezeigt, dass das "neue Bewirtschaftungskonzept" welches die Talsperre "Fischfrei" machen sollte, nach unserer Ansicht nicht funktioniert. Jeder der in den Restpfützen bzw. über die Fischaufstiegsanlage einwandernden Barsche und Giebel legt bis zu 300.000 Eier. Ohne nennenswerte Raubfischbestand können diese Fische sich dann ohne Probleme in diesen Massen explosionsartig entwickeln. Die Hauptnahrung dieser Fische sind Zooplankton und Fliegenlarven... 

Warum Wolf und Luchs zu unserer Natur in Sachsen-Anhalt gehören, Hecht oder Zander zumindest im Stausee Kelbra aber unerwünscht sind, wird wohl weiterhin streng gehütetes Elitewissen auf der Kommandobrücke des Naturschutzes in unserem Bundesland bleiben.

 

Diese Massenentwicklung von "Weißfischen" und eine massenhafte Algenentwicklung in der Talsperre Kelbra sind kein neues Phänomen, sondern war auch bis 2011 (danach gab es den ersten kleinen Winterstau) regelmäßig zu erleben. Kormorane und Haubentaucher freuen sich natürlich über diese vielen Fische im Herbst, schafften es aber nicht, diese Massenfischarten nennenswert zu reduzieren. Im Stausee selbst dürften zurzeit noch viele Tonnen dieser Fische (im zweistelligen Bereich) vorhanden sein. Ein Abfischen ist gegenwärtig, angesichts zu erwartender Verluste nicht angeraten. Mit jedem Tag reduzieren aber die fischfressenden Vögel diesen Fischbestand auf natürliche Weise und solange die Kormorane an der Talsperre Kelbra jagen, schonen sie indirekt die Äschen und Barben im anschließenden FFH-Fließgewässer. 

Die Helme unterhalb der Talsperre Kelbra gehört zur sogenannten "Äschenregion" mit anschließender „Babenregion“. In diesen Fischregionen geben genannte Fischarten entsprechend ihrer Häufigkeit im Vorkommen das Gepräge. Giebel, Kaulbarsche und Barsche (in diesen Mengen) verfälschen daher die natürlichen Fischfauna der Helme. Sie sind Nahrungskonkurrenten bzw. die Barsche in diesen Mengen oder auch Hechte schädigen die schon stark dezimierten Jungfische der natürlichen Fischfauna, insbesondere Groppen (Mühlkroppen), Bachforellen, Äschen und Barben. 

   

Unsere Aufgabe als Fischereipächter ist es nach dem Gesetz, einen naturnahen, artenreichen und gesunden Fischbestand aufzubauen. Mit solchen Abfischmaßnahmen werden wir unserer gesetzlichen Hegeverpflichtung und unserer Aufgabe als Naturschutzverband gerecht.

 

Der Vorstand des Kreisanglervereins bedankt sich bei allen Freiwilligen und den Mitarbeitern des Talsperrenbetriebes. Diese Mitarbeiter hatten ein entsprechendes Gitter gebaut, so dass ein großer Teil der Fische nicht in die Helme entweichen konnte. In den nächsten Wochen sind weiter Einsätze geplant. Freiwillige sind immer herzlich willkommen.

 

Text: Frank Gabriel (ehrenamtlicher Geschäftsführer KAV Sangerhausen)

Fotos: G. Jarosz

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Abfischaktion der Angler an der Helme-Talsperre

Fotoserien zu der Meldung


Abfischaktion an der Helme-Talsperre Kelbra (12.10.2020)

Abfischaktion im Interesse des Naturschutzes